THE ART OF HEINZ ANGER
VIENNA'S CONTEMPORARY IMPRESSIONIST
Gedanken zu H.Anger
Gedanken zu H.Anger

GEDANKEN ZU HEINZ ANGER

 

Dr. Eckhart Knab, Kunsthistoriker, em. Kustos an der Albertina, Wien

 

 

Etwas absolut Neues zu schaffen, ist dem Menschen nicht gegeben. Die Schöpfung aus dem Nichts ist dem Creator Spiritus vorbehalten, wie schon die Scholastiker erkannten. Und auch Goethe sagt uns zum Troste:“Alles Gescheite ist schon gedacht worden, man muß nur versuchen, es noch einmal zu denken.“

So erinnern uns die sonnig leuchtenden Landschaftsaquarelle und Bilder Heinz Angers zunächst an Renoir und andere Meister der befreiten Farbe in der zweiten Hälfte de 19. und am Beginn des 20.Jahrhunderts, und sind dennoch durchaus sein eigen. Nichts ist ,,abgeschrieben" oder ,,gestohlen"! Hat nicht schon der Cavalier d'Arpino Ende des 16.Jahrhunderts vor dem Phänomen Caravaggio den bekannten Ausspruch getan, ,,non li vedo altro che il pensiero del Giorgione"? (sehe ich nichts anderes als die Gedanken des Giorgiones). Und welcher Unterschied!


Vorbilder waren für Anger, wie er freimütig gesteht, neben Renoir Van Gogh, der ihm auch im Bildnis wesentlich befruchtete, ferner Pissarro und Degas, der große Schüler Ingres, wodurch die formenden und strukturbetonten Kräfte in seinen figürlichen und Aktdarstellungen gefordert wurden. Natürlich setzte er sich auch mit den österreichischen Expressionisten und ,,Fauvisten" auseinander, mit Faistauer, Kolig, Wiegele und Böckl, ohne dessen Abstraktionen im Alter mitzumachen. Anger wagt es, ähnlich wie Oskar Laske oder dessen Schwester Elisabeth Kesselbauer-Laske, vorbehaltslos vor die Natur zu treten, ohne sie sklavisch nachzuahmen.

Der freie Pinsel seiner Aquarelle, das unmittelbare und ungebrochene Leuchten seiner Farben, die auch ohne sichtbare Linearperspektive Räume schaffen, verbieten ihm das letztere und gewähren eine durchaus eigenständige Nachschöpfung, die man in dieser Qualität und Vollendung so bald nicht wiederfindet. Dabei kommt der Darstellung der Sonne selber im Wiederschein mancher Teiche und Flüsse oft eine über das Sichtbare und Gegenständliche hinausgehende Bedeutung zu, die schon Regine Schmidt aufgefallen war, die auch die Wesensverwandtschaft mit Waldmüller, dem Maler des Sonntaglichtes erkannt hat. Unwillkürlich denkt man an den Schlußvers von Dantes ,,Divina Commedia", wo vom Lichte des Empyreums die Rede ist: ,,Si come ruota, che ignalmente e'mossa/L'amor, che muove'l sole e l’altre stelle". („So wie ein Rad in gleichender Bewegung/Die Liebe, die beweget Sonn' und Sterne.“)


Heinz Anger, 1941 in Karlstetten in Niederösterreich geboren, war Schüler von Karl Zecho (1896-1965) und Rudolf Reinkenhof (1905-1980) an der graphischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt in Wien wo er sein zeichnerisches Handwerk erlernte. Reinkenhof folgt er auch in seinem künstlerischen Credo, daß die Avantgarde vor der Progression und Routine unserer Tage gewahrt werden will.

An der Wiener Akademie studierte er unter Sergius Pauser (1896-1970) und Paris Gütersloh (1883-1973).

Wer in Angers Atelier kommt, merkt ihre Spuren, sowohl die dunklen und helldunklen Töne und Visionen des ersteren als auch die lichte Buntheit des letzteren. Freilich wußte Anger auch auf deren Vorbilder zurückzugreifen wie ein erstaunliches frühes Selbstbildnis (1957) zeigt, das auch einem Leibl, Slevogt,Trübner oder Corinth zur Ehre gereichen könnte oder die dämmerige, fast nächtliche Ansicht von Schloß Niederleis (1961).

 

Zu seinen Landschaften nimmt Anger die Motive aus der näheren und weiteren Umgebung von Wien. Er lehrt uns Hautzendorf, Mistelbach, Hollabrun oder Retz, Rodaun oder Hainburg neu zu sehen, und man meint, er hätte das Licht der Seine oder Marne, wie es die großen Impressionisten entdeckt hatten, oder jenes der Auvergne und Provence, das Van Gogh verherrlichte, im Wiener Prater, im Tullner- und Marchfeld, im Weinviertel oder Burgenland oder auch im Lainzer Tiergarten erweckt. In der Geschichte der Malerei sind solche Übertragungen ferner Stimmungen nicht ungewöhnlich, wie etwa die Geschichte der altniederländischen Male­rei oder der römischen beziehungsweise ,,idealen" Landschaftsmalerei lehrt, deren Poesie auch in anderen Regionen aufblühte.

Im Geiste der Impressionisten erhebt Anger auch unscheinbare Vorwürfe wie ärmliche oder verfallende Bauernhöfe, Villen, Weinkeller, Scheunen, Zäune oder Rinnsale zum künstlerischen Gegenstand.

 

Angers Colorismus hat in der österreichischen Kunst eine lange Tradition, die bis in die Gotik zurückreicht. Im achzehnten Jahrhundert von Rottmayr, Gran, Maulbertsch und Bergl neu erweckt, blühte er in den Tagen Fendis, Schindlers,Waldmüllers und Alts, um von Klimt, Schiele, Kokoschka, Jungnickel und den früher genannten Meistern unseres Jahrhunderts abermals zur besonderen Eigenart entfaltet zu werden.

 

Heinz Anger fand seine Pontoise oder Nevilly wie gesagt im Umkreise Wiens, ähnlich wie August von Pettenkofen vor hundert Jahren sein Barbizon in Szolnok und der Puszta.

Ich wünsche Heinz Anger noch viele gute Einfälle und schöne Motive in und außerhalb  seiner verschiedenen ,,Barbizons".

 


Dieser Artikel wurde im Rahmen der Herausgabe des Buches „Der Maler Heinz Anger“ (Edition Galerie Zentrum, Wien, 1992) verfaßt. 


Zurück zur Bilder-Galerie / home


HOMEART GALLERYNOTICE BOARDHeinz Anger _ENGLISHHeinz Anger _DEUTSCHCONTACT / About us